Marketingleute erklären uns den Motor…

Wir haben am Wochenende gepostet, wie MINI uns erklärt, dass der MINI Cooper S John Cooper Works so ein tolles Auto ist.

Aufgehängt ist die Sache an den 211 PS, auf die die offiziellen bei MINI ja bestehen. Kleiner Insider: Der Streckensprecher und Moderator für die MINI Challenge wurde bereits offiziell darauf hingewiesen, dass er gefälligst nicht “über 200 PS”, sondern “mit genau 211 PS” sagen soll, wenn er in seinen Moderationen die Leistung des Challenge-Fahrzeugs verwendet. Krank, worauf Marketingler Wert legen, oder? Aber ich blieb ja an etwas ganz anderem hängen: Im oben zitierten Post ist Grund Nummer 8 PS:

Ein zur Kühlung des Turbomotors mit Natrium gefülltes Auslassventil.

Freunde, das ist nicht euer Ernst, oder?

Lest mal bitte das, das und das und erzählt mir dann nochmal, dass das Natrium IM Ventilschaft auch nur ansatzweise den Motor kühlt.

Folgendermaßen: In einem Viertakt-Verbrennungsmotor findet im dritten Takt (1 = ansaugen / 2 = verdichten / 3 = verbrennen / 4 = ausblasen) eine Explosion statt, die den Kolben nach unten drückt und damit Kraft auf die Kurbelwelle bringt. Eine Explosion (stellt euch einfach Alarm für Cobra 11 vor, da gibts voll viele davon…) ist mit Feuer verbunden und – ihr könnt es euch denken – Feuer ist heiss.

Die Auslassventile (4. Takt – ausblasen) werden nach der Explosion geöffnet und der nach oben sausende Kolben im Brennraum drückt das heisse Gasgemisch durch die entstandene Öffnung in den Auslasskanal/Krümmer Richtung Turbolader (jaja, der ist da schon in der Nähe…).

Das soeben verbrannte Gasgemisch hat gerne mal Temperaturen um die 1000°C und umströmt das Auslassventil, denn das ist dem Gas ja praktisch im Weg. Aus diesem Grund werden die Ventilteller extrem heiss. Eine Möglichkeit, sie zu kühlen ist es nun, den Ventilschaft anzubohren und diesen neuen Hohlraum zu 60% des Volumens mit Natrium zu füllen. Natrium ist ein Metall, das schon bei 97° C flüssig wird. Das Natrium kann also – wie beim Barkeeper an der Ecke – im Ventilschaft hin und hergeshakert werden und nimmt so etwas Temperatur vom heissen Ventilteller mit in den kalten Ventilschaft.

Wir sehen: Die Natriumfüllung des Ventils ist ein reiner Selbstzweck, dass die Dinger nicht abbrennen. Das ausgeblasene Gas interessiert es herzlich wenig, was im Ventil so vor sich geht. Und genau deshalb ist es dem Motor allgemein so was von völlig Wurscht, ob die Ventile mit Natrium, Leberwurst oder Bier gefüllt sind.

Liebe Mit-Marketingler (ja, ich habe das auch mal gelernt…): Wäre euch ein Zacken aus der Krone gebrochen, wenn ihr zum Telefon gegriffen hättet um mal kurz einen Motoren-bauer anzurufen, als ihr das geschrieben habt? Ihr stellt Euch doch nur selber als völlig ahnungslos dar. Und im Prinzip unterstellt ihr damit doch den Kunden, dass sie sowieso keine Ahnung von der Technik hätten…

Nachtrag: und über Punkt 9 denken wir auch noch mal nach, ja?

This entry was posted in MINI and tagged , , , . Bookmark the permalink.

Comments Closed

Comments :

  1. mikethemini says:

    Sorry… aber nur mal so… wenn hier schon die Funktionsweise eines Motor´s auf´s genauste erklärt wird… :-)

    Im Otto-Motor findet beim 3.ten Takt niemals eine Explosion statt. Es ist eine Verbrennung. Deswegen heißt er ja auch Verbrennungsmotor und nicht Explosionsmotor.

    …war nur so witzig… hier wird sich über die falsche Äußerung der Marketing-Leute lustig gemacht, erklärt wie´s richtig ist und man macht selbst Fehler… ;-)

  2. dombo says:

    naja, nach der Wortsinnerklärung kann die Verbrennung (die es ist) von der Wirkung her auch als [url=http://de.wikipedia.org/wiki/Explosion]Explosion[/url] bezeichnet werden.

    Die richtige Formulierung ist aber natürlich "Verbrennung" wie ich in der Taktaufzählung wenige Worte zuvor geschrieben hatte :D

  3. mikethemini says:

    So nu aber richtig…

    Die Explosion beim 3.ten Arbeitstakt im Motor besitzt in der Regel eine Geschwindigkeit von 200 – 500 m/s. Somit bewegt man sich beim Verbrennungsvorgang immer zwischen einer Deflagration (Verbrennungsvorgang mit Unterschallgeschwindigkeit) und einer Detonation (Verbrennungsvorgang mit Überschallgeschwindigkeit). Resultiert aus Spät-, Frühzündung oder klopfneigende Verbrennung.

    gruss :D