An jedem verdammten Sonntag…

An jedem verdammten Sonntag…ist zum einen ein Film von Oliver Stone über eine Sportart, die wir Einwohner des alten Europa nie verstehen, zum anderen ein Stöhnen, dass mir immer wieder an jedem verdammten Sonntag entfleucht. Wenn ich den Fernseher einschalte.

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Der Grund für diesen Ausdruck des Leidens ist die bei den Programmschaffenden der Priavtsender neu entflammte Liebe zu einem bisher eher stiefmütterlich behandelten Zielgruppencluster: dem “Mann”.

Während in den Neunzigern Kloibers kleine Fernsehbutze, die “Tele München Gruppe”, auf den glorreichen Gedanken kam “Lass doch mal Fernsehen für Frauen machen” und tm3 gebar, wurden wir Männer weiter ignoriert! Mann konnte fast meinen, das Fernsehprogramm würde sowieso von Frauen gemacht. Spezielle, auf Männer zugeschnittene Formate trugen so großartige Namen wie “Peep!” oder “Sportschau” – das war’s. Titten oder Fußball. Mehr brauchen Männer nicht. Sind ja nur Männer.

Nun, Überraschung! Wir Männer sind vielschichtiger! Wir wollen auch… öhm… Autos!

Lange Zeit blieb dem fernsehaffinen Auto-Afficionado nur eine Möglichkeit. Zeitgleich mit tm3 ging auf VOX “auto motor und sport tv” auf Sendung. Im Prinzip der “ARD Ratgeber: Auto” (der damals übrigens noch koexistierte) und genauso leidenschaftlich. Das mag zum einen an der namensgebenden Zeitschrift und deren Hang zu (obacht, böses Wort!) vernünftigen Autos liegen, zum anderen aber sicher auch am Moderationsstil von Peter “El Temperamente” Stützer:

Jahrelang musste die Randgruppe der Autoliebhaber, dieses in der Post-Waldsterben-Ära politisch inkorrekte Pack, sein tristes Dasein mit TV-Beiträgen à la “Vergleich Opel Corsa City 1.2 gegen VW Polo Miami 1.1” würzen. Und sollte die Auswahl der Testprobanden tatsächlich noch ein Quentchen Dynamik übrig lassen, der Cutter im Schneideraum würde es sicher mit gekonntem Riefenstahl-Schnitt niedermetzeln. Aber wir lernten, dass ein großer Kofferraum ein Qualitätsmerkmal war. Yay!

Das es anders geht, das zeigte ab 2002 ein Automobilmagazin in einem Land, das im Gegensatz zu uns Deutschen zwar nicht das Auto erfunden, aber eine ziemlich klare Vorstellung davon hat, wie man mit einem Automobil Spaß haben kann. England.

This is a car show. This is “Top Gear”

Seit der Rückkehr von den Toten hat sich “Top Gear” zu einem Phänomen entwickelt. Das Trio Clarkson, Hammond, May hat sich in den letzten 5 Jahren eine Fangemeinschaft geschaffen, die ihresgleichen sucht. Auch in Ländern, in denen “Top Gear” eigentlich gar nicht läuft – dem Internet sei Dank. 2007 war “Top Gear” die Nummer 2 der am meisten heruntergeladenen TV-Sendungen und schlug damit “24” und “Lost” mit rund doppelt so vielen Downloads.

Es war nur eine Frage der Zeit bis ein selbsterklärter Trendscout im Gewande eines findigen, deutschen TV-Produzenten darauf aufmerksam wurde. Nein, wirklich! Es war eine Frage der Zeit. Denn es hat ganz schön lang gedauert, bis auf DSF in der Sendung “Motorvision” das erste Mal eine der legendären Top Gear-Challenges nachgespielt wurde. Und da fingen die Probleme an…

“Warum *schnief* haben wir sowas nicht?!”

So muss es durch die Hallen von RTLII in Grünwald gehallt haben, als die kreativen Köpfe auf den deutschen “Top Gear”-Klon “D-Motor” aufmerksam wurden. Hoi!” Dachten sich da wohl die Big-Brother-Dompteure, und brachten uns:

GRIP! – Das Motormagazin.

Geil, oder? Grip. Wie lange haben die wohl darüber nachgedacht? Nun, offenbar nicht lange. Das zeigt schon die (schon etwas ältere) Pressemeldung zum Sendestart:

“An alle PS-Profis! An alle Radkappen-Rock´n´Roller! “Grip – Das Motormagazin” ist da! Das neue RTL II-Magazin informiert ab diesem Sonntag über alles, was sich zwischen Vorder- und Hinterachse wirklich abspielt – und wie viel Spaß dahinter steckt.”

Das Problem: Die Zielgruppe von RTL2. In Grünwald scheint man wohl der Meinung, die Menschen, die dieses Fernsehprogramm über sich ergehen lassen ohne sich vor Schmerz zu winden, brauchen eine besonders abgefeimte Form der Präsentation um das unglaublich komplexe Thema “Automobil” zu begreifen. Anders ist es nicht zu erklären, dass diese Sendung von drei generischen und selten farblosen Charakteren moderiert wird. Obendrein scheinen die Texte von Tick (Matthias Malad-ie), Trick (Niki Schelle, genannt der Transpirator) und Track (Helge “is das’n Vauaaacht?” Thomsen) aus der Feder der gleichen Sprachakrobatin zu stammen wie die obige Pressemeldung. Die Moderationen verrennen sich in einer an Schwachsinn grenzenden Synonym-Diarroe, Vergleiche werden von Kümmel, Kalle und Horst mit der Brechstange passend gemachtund der Ideenstamm des offenbar für das Format mitverantwortlichen Head-Mods Malmedie ist so dünn wie der Charme des gealterten Parkplatz-Raver Thomsen. Da wird sich schamlos an den letzten drei bis vier Staffeln “Top Gear” vergangen, die legendären Challenges und Rennen in ein politisch korrektes Drehbuch-Korsett gezwängt und ihnen damit jeglicher Charme genommen. Doch damit nicht genug: eine Sache, die das Konzept “Top Gear” so einzigartig macht, ist die Chemie zwischen Clarkson, Hammond und May. Diese drei Persönlichkeiten sind das Salz in der Suppe, ohne dieses Trio und deren Authentizität wäre TG nicht so erfolgreich.

Authentisch, liebe RTLII-Macher, ist GRIP! nur unter einem Gesichtspunkt: der absoluten Überflüssigkeit. Das musste ich jetzt einfach mal loswerden.

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