Downsizing im Tourenwagensport?

Es war Frühling 2008, als ich erstmals von Plänen hörte, das Reglement der WTCC so nachhaltig zu überarbeiten, dass ein neues Motorenkonzept überlegt wurde. Aktuell fahren die Tourenwagen bekanntlich mit 2.0 Liter Saugmotoren, die runde 300 PS leisten, nachdem der Zweiliter-Sauger aber eher ein Dinosaurier als der letzte Schrei des Motorenbaus ist, klingt die Idee aber nach dem ersten „Was? Solche Mickimaus-Motoren?“ durchaus vernünftig.

Okay, also keine zwei Liter Hubraum mehr, dafür ein Turbolader oder ein Kompressor. Oder beides? Tja, das führt den geneigten Motorsportfan doch direkt zur Frage: „Welche Motoren könnten da eingesetzt werden?“ Gesetzt den Fall, die Leistung soll in etwa gleich bleiben, landen wir bei Chevrolet-Konzernschwester Opel und deren 1.6 Liter Turbo-Motor mit Magnesiumblock, wie er im Meriva- und Corsa-OPC eingesetzt wird. Die Maschine leistet im Serientrimm 192 PS und sollte noch ein wenig Potential haben.
Konkurrent Seat hat es nicht so bequem, einen fertigen Motor im Regal zu finden. Oder doch? Naja, bei Volkswagen heisst es im Moment, der 1,4 Liter TSI-Motor (Turbolader und Kompressor, 170 PS) soll langfristig den direkteinspritzenden 1,6 Liter FSI ersetzen. Vielleicht verblüffen sie uns ja mit einem Hubraum verkleinerten doppelt aufgeladenen GTI-Motor? Spekulieren darf man ja wohl…

Bei BMW sieht es auf den ersten Blick ebenfalls traurig aus: Nur die kleinen „Feigenblatt-Ökomodelle“ greifen auf 1600 ccm zurück, von einer Aufladung ist bei den Münchnern in dieser Hubraumklasse nichts zu sehen. Doch Halt! MINI kommt doch seit dem Relaunch 2002 mit 1,6er Motoren daher. Aktuell ist das Topmodell der MINI John Cooper Works mit 211 Pferden. Dieser Wagen wird seit Anfang 2008 in der MINI Challenge eingesetzt und macht sich – solange der Motor schön viel Kühlluft bekommt – eine recht gute Figur. Klar, eine stärkere Kupplung wünscht sich jeder und bei einem mechanischen Rennsportdifferenzial würden die Piloten wahrscheinlich nicht Nein sagen, aber zeitenmäßig macht sich die zweite Generation des Münchner Engländers recht gut.

So, wie gewagt ist es also, nachdem die FIA im Interview mit der Motorsport aktuell zugegeben hat, dass das Downsizing auf dem Plan steht, zu überlegen, ob nicht ein Fahrzeugwechsel in der WTCC bevorsteht? Denn eines ist klar, eine reine Dieselserie als Tourenwagen-Weltmeisterschaft kann aus Veranstalter- und Funktionärssicht nicht gewünscht sein, dazu ist (nicht zuletzt) der Sound der Heizölrenner zu mies. Ausserdem müsste dann ja in letzter Konsequenz auch die Formel 1 mit Biosprit oder Diesel fahren.

Wenn jetzt also die kleineren Motoren mit Aufladung kommen, wieso sollte dann zum Beispiel Ford nicht Nägel mit Köpfen machen und sich aus der WRC zu Gunsten der WTCC zurückziehen?  Der Ford Fiesta ST wie er im gleichnamigen Cup eingesetzt wurde, hatte einen 1,6 Liter Turbomotor, der hat sich bewährt. Und Rundstreckenautos können die Kölner auch bauen, der Cup war extrem populär.

Lada feierte gerade mit einem offiziell privaten Team Einstand in der WTCC. Die Russen haben mit dem Kalina ein Auto im Programm, das von der reinen Größe zu MINI, Fiesta und den mittleren Modellen von Chevrolet und Seat passt. Einen Turbomotor zu entwickeln oder einzukaufen darf man dem Hersteller aus dem Osten getrost zutrauen.
Wenn wir schon so schön spekulieren, treibe ich das gerade noch eine Ecke weiter: Fiat positioniert sich gerade auch sportlich. Nicht nur mit dem neuen 500, sondern auch mit dem Bravo, der allein drei Sportvarianten hat. Unter anderem mit 1,4 und1,6 Liter Dieselmotoren…

Tja, es sind momentan alles einzelne Puzzlesteine, von mir komplett spekulativ zusammengeschustert. Aber vielleicht bin ich ja gar nicht so falsch?  Wir werden sehen, was die Zeit bringt. Die Tourenwagen-WM kann interessante Hersteller und vor allem Fahrerpersönlichkeiten weiterhin gut gebrauchen, denn das Konzept ist in meinen Augen richtig. Es müsste nur noch ein wenig aggressiver vermarktet werden, um einer DTM Paroli bieten zu können.

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