Bad Taste Party

Es gibt Dinge, die ein Mann tun muss. Einen Baum pflanzen, zum Beispiel. Wenn’s sein muss auch ein Kind zeugen. Und dann gibt es Dinge, die ein Mann tunlichst unterlassen sollte, egal unter welchen Drogen er auch immer gerade steht. In dies Kategorie fallen Dinge wie an einem Samstagvormittag im Advent mit der Angetrauten zu IKEA fahren – und sowas:

Die Achtziger sind wieder da. Direkt nach dem Klick.

Wer die Achtziger Jahre toll findet, hat sie nicht mit erlebt. In keinem anderen Jahrzehnt stand die Menschheit so kurz davor, sich mit Hilfe der Herren Pershing und Saber SS-20 selbst zu zerstören, in Wackersdorf flogen Steine gegen Franz-Josef Strauß und die Skiklamotten des Labels “elho Freestyle” waren nur die Spitze des Bad Taste-Eisbergs: In dem beschaulichen Städtchen Pinneberg vor den Toren Hamburgs schickte sich ein gewisser Chris Hahn an, den Scheichs und Superreichen dieser Welt seine Interpretation von ‘Styling’ zu verkaufen. Sein Geschmack war dabei – sagen wir wohlwollend – gewöhnungsbedürftig.

In seinem Kielwasser folgten berühmt-berüchtigte Breitbaufetischisten wie ‘Koenig Specials‘ oder ‘Gemballa‘. Die meisten dieser Mutantenzuchten schlossen bereits Ende der Achtziger wieder ihre Tore – und das war gut so.

Nur leider hat die Geschichte die unangenehme Unart sich zu wiederholen. Deswegen laufen auch heute wieder Mädels, ihre physischen Grundgegebenheiten geflissentlich ignorierend, in Leggings herum und an den Ohren baumeln Ohrringe mit denen man problemlos einen 5KW-Dieselgenerator anreißen könnte. Der letzte Beweis dafür, dass dieses ‘History repeating’-Ding keinerlei selbstreinigende Selektion in sich trägt, kommt aus Mellingen in der Schweiz und hört auf den Namen ‘FAB Design Maybach Definition‘.

Das, meine Damen und Herren, war mal ein braver Maybach 57 S – bis FAB-Design-Chef Roland Rysanek 60 Liter Steroide in den Tank des ahnungslosen Fahrzeugs gekippt, an dessen DNA herumgespielt und mit ein paar Eimern eines Bentley-Farbtons übergossen hat. Das Ergebnis ist eine Trisomie 21-Version eines automobilen Bodybuilders, der seinen Kuren nicht wirklich unter Kontrollen hatte. Äußerlich. Denn im Innenraum manifestiert sich optisch eine Anabolika bedingte Leberzirrhose. Weißes Leder habe ich das letzte Mal im Golf I Cabrio meiner Tante gesehen. 1984. Die Kombination mit blauem Alcantara verpflichtet allerdings im FAB-Maybach zum ständigen tragen einer Porsche 5628 Faltsonnenbrille mit blauen Gläsern. Nur so wird der Netzhaut peitschende Kontrast etwas gemildert.

Über 190.000 Euro muss man in der Tasche haben, bevor dich der automobile Doktor Frankenstein an die Arbeit macht, um ein weiteres Monster zu kreieren. Selbstverständlich nach dem Motto BYOM – Bring your own Maybach. Das Schreckliche daran: Das Auto wird seine Kunden finden. Einer würde sich sicher über einen Prospekt freuen: Hamad Bin Hamdan Al-Nahyan. Der Regenbogenscheich.

via AutoBILD.

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