Driven: MINI Countryman John Cooper Works

MINI John Cooper Works CountrymanJCW für alle! So heißt anscheinend die aktuelle Devise in der MINI Zentrale in München. Doch dabei handelt es sich nicht um die Demokratisierung der Topmodelle der sieben Baureihen, sondern um einen knallharten Businesscase. Genau aus diesem Grund gibt es natürlich jetzt auch einen MINI Countryman John Cooper Works. Mit weltweit rund 100.000 verkauften Einheiten ist der Landman zwischenzeitlich das zweitwichtigste Modell im MINI Portfolio und speziell im Kernmarkt USA ist der Viertürer heiß begehrt. Eine 218PS Variante kommt daher auch im weiterhin leistungshungrigen Amerika wie gerufen, macht sich aber auch auf deutschen Straßen gut. Aus diesem Grund habe ich den Viertürer gleich zweimal getestet. Einmal als Vorserienmodell im Rahmen von MINI Takes The States und und kurz nach Verkaufsstart in good old Germany. Ein überraschende Begegnung.

Amerika im Sommer 2012, Land der ewig langen Geraden und der unerbittlichen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Trotzdem konnte ich es mir nicht nehmen lassen, die Gänge des 1,6l Turbomotors so lange bis zum Drehzahlbegrenzer durchzureissen, bis die Tachonadel bei 110 Meilen (knapp 180km/h) zitterte. Trotz knapp 40°C Aussentemperatur, Gepäck für einen elftägigen Tripp und zwei gewichtigen Beifahrern kann man dem neuen N18 genannten Motor eins nicht nachsagen: Leistungsschwäche. Er schiebt den mit knapp 1,5 Tonnen Leergewicht nicht gerade leichten MINI knackig vorwärts. Doch wichtiger wäre zu erfahren, wie MINI das Handling des viertürigen Topmodells für die Mehrleistung angepasst hat. Leider fehlten dafür die notwendigen Kurven auf den rund 200 Meilen von Nashville (Tennessee) nach Louisville (Kentucky) komplett. Aber etwas anderes viel auf: Der Innenraum Sound. Irgendetwas war in diesem Vorserienauto grundlegend anders. Kein Auspuffploppen im Schiebebetrieb, kein klassischer Vierzylinder Reihenmotor Klang beim Tritt auf das Gaspedal. Stattdessen drang eine äußerst künstlich klingende Komposition aus Subaru Vierzylinder Boxer und Triumph Dreizylinder Reihenmotor in das Fahrzeuginnere. Der mich begleitende amerikanische Pressevertreter war ob dieses Klangbildes begeistert, der ebenfalls an Bord sitzende amerikanische MINI Produktmanager sogar besonders stolz auf diese Innovation via Soundgenerator. Ich fand diesen Effekt nur albern.

R60 JCW in den USA: Ein etwas irritierendes Vorserienprodukt

MINI John Cooper Works Countryman

Deutschland im Spätherbst. Die ersten MINI Countryman JCW stehen bei den Händlern. Auch bei der MINI Niederlassung Stuttgart und die weiss, ich bin heiß, diesem R60 Modell einmal etwas genauer auf den Zahn zu fühlen. Der Anruf von Teamleiter Mirko Leinweber kam daher genau einen Tag nach der Zulassung des voll ausgestatteten Vorführwagens mit dem Hinweis: „Hab Spaß“ und ja, den hatte ich. Denn nach dem etwas bangen Drücken des Starterknopfes hörte ich zum Glück den unverfälschten JCW Motorensound. Das harte Direkteinspritzernageln im Stand klang erstmalig wie Musik in meinen Ohren und schon nach wenigen Kilometern hörte ich zufrieden das sonore Auspuffploppen. Nicht ganz so prägnant, wie in einem Clubman JCW, aber es ist da und wird nicht durch einen künstlichen Motorsoundmix überlagert. Ob der „artificial sound“ den US-Modellen erhalten bleibt, ist ungeklärt, doch etwas anderes konnte ich mit Wohlwollen feststellen: Die kleine, aber feine Modellpflegemassnahme im Innenraum mit neuen Einfassungen für das Zentralinstrument und die vier Luftausströmer und die in die Türen gewanderten Bedienschalter für die Seitenscheiben lassen den Countryman tatsächlich wertiger wirken.

R60 JCW in Deutschland: Eine durchaus runde Sache

MINI John Cooper Works Countryman

Und dann kam die Überraschung: Trotz der hässlichsten Felgen, die man einem MINI Countryman für Winterreifen antun kann, den 17“ Tunnel Spoke, gierte der JCW nach Kurven und das ist neu. Natürlich ist der R60 fahrdynamisch ein Rennpferd unter den Kaltblütern mit Namen VW Tiguan, Skoda Yeti, Nissan Qashqai oder Opel Mokka, aber die Präzision, mit der dieser Allradler trotz Winterreifen einlenkte und in der Lenkung seine Rückmeldung gab, erinnert deutlich mehr an einen R56 als an alle Countymänner, die ich vorher gefahren bin – und das sind einige!

R60 JCW im Video: Die bewegte Zusammenfassung

Aus diesem neuen Fahrgefühl heraus drängt sich auch der einzige wirklich neue Negativpunkt auf: Die Leder Lounge Sitze bieten eindeutig zu wenig Seitenhalt. Warum werden im R60 nicht auch die neuen JCW Recaro Sitzgelegenheiten angeboten? Die würden – möglichst als vier Einzelsitze – dem schnellsten aller Countryman (225km/h Spitze) nicht nur ausgesprochen gut zu Gesicht stehen, sondern dem neu gewonnenen Kurvenspaß deutlich mehr Halt geben.

R60 JCW in der Dämmerung: Ein attraktives Fotomodell

MINI John Cooper Works Countryman

Natürlich hat dieses Fahrvergnügen seinen Preis. Sowohl an der Zapfsäule, als auch beim MINI Händler des Vertrauens. 34.800 Euro ruft MINI für den Countryman John Cooper Works ALL4 auf und bekanntermassen langen die Münchner bei den Preisen für die Sonderausstattung gut hin. Ein wenig Leder hier, ein Navi da, garniert mit dem Chili-Paket und schicken 19“ Felgen durchbricht man locker die 40.000 Euro Schallmauer. Und um in 7,0 Sekunden ohne Traktionsprobleme aus dem Stand auf 100km/h zu beschleunigen benötigt man im Schnitt auch deutlich mehr, als die angegebenen 7,4 Liter des guten 98 oktanigen Kraftstoffs. Unter 10 Liter wird für beherzt angasende Zeitgenossen schwierig werden. Und genau diese Zielgruppe wird schnell auch einen zusätzlichen Wunsch äußern: Mehr Leistung. Denn 218PS sind in der Klasse über vier Meter Aussenlänge schon lange keine Benchmark mehr. Doch die Buschtrommel in München vermeldet, dass mehr Leistung erst in der nächsten Generation Countryman zu erwarten sein wird: 260PS aus 2,0 Litern.

R60 JCW von hinten: Der Betrug mit den dicken Endrohren

MINI John Cooper Works Countryman

Weitere Bilder, wie üblich, in der bigblogg R60 JCW Galerie

Technik kompakt:
MINI John Cooper Works Countryman
Hubraum: 1.598cm³
Leistung: 218PS
Max. Drehmoment/Drehzahl: 280 (300 Overboost)/2.000 – 5.600 Nm/1/min
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 7,0s
Höchstgeschwindigkeit: 225km/h (223km/h Automatik)
Verbrauch kombiniert: 7,4l/100km (7,9l/100km Automatik)
CO2-Emissionen kombiniert: 172g/km (184g/km Automatik)
Leergewicht: 1.480kg (1.505kg Automatik)
Preis: 34.800 Euro (36.340 Euro Automatik)

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