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Einmal um die Ostsee rum: The Baltic Sea Circle

Low Budget Rallies erleben derzeit einen unglaublichen Boom. Zwischenzeitlich kann der gelangweilte Großstadtbürger einer Industrienation fast in jedes Entwicklungs- oder Schwellenland eine organisierte Fahrt machen, um zum einen ein Abenteuer zu erleben und zum anderen am Zielort karitativ tätig zu werden. Letzterer Punkt beschränkt sich in der Regel darauf, dass man sein „Rallyefahrzeug“ (wenn man das überhaupt so nennen darf) nach getaner Arbeit für den guten Zweck versteigert, veräußert oder verschenkt. Entsprechend fällt beim Start schon die Fahrzeugwahl aus, denn eins ist klar: Nach etlichen tausend Kilometern den treuen Begleiter einfach herzugeben schmerzt. Ein treuer bigblogg Freund ging daher jetzt einen anderen Weg: 

Thomas Würtenberger heißt der Mann und der im Dienste von MINI stehende Vollblut Hesse mit dem schwäbisch anmutenden Nachnamen frönt in seiner Freizeit den Youngtimern. Neuester Zugang in seinem Sortiment: Großvaters VW Jetta der zweiten Generation. Dieses gut abgehangene 1987er Modell in reizlos rot mit blümerant braunen Innenraum glänzt nach fünfundzwanzigjährigem Familienbesitz mit jungfräulichen 118.000 Kilometern. Zu schade also, um nur darauf zu warten, dass der Viertürer ein H-Kennzeichen erhält. Darum wurde in ehelichem Einvernehmen der Entschluss getroffen, an der nördlichsten Rallye des Erdballs teilzunehmen: The Baltic Sea Circle.

Be Jetta. Oder einmal tiefenentspannt in 2 Wochen um die Ostsee rum

Der große Vorteil dieser Veranstaltung: Es muss kein Teppich raus und kein Überrollkäfig rein und am Zielort Koppenhagen muss der Golf mit Rucksack auch nicht veräußert werden, denn den Dänen geht es eigentlich nicht so schlecht. Trotzdem startet diese Rallye für einen guten Zweck, denn die Veranstalter bitten jedes teilnehmende Team mindestens 750 Euro für Charity-Projekte zu sammeln. So natürlich auch Thomas und seine Frau Tanja, die sich als Team wuerziracing entschlossen haben, für „Die Arche“ zu sammeln, einem Verein, der sich engagiert gegen die Kinderarmut in Deutschland einsetzt. Aktueller Spendenstand: 385 Euro. Es fehlen also noch ein paar Euro. Also auf geht’s Geldbeutel gezückt, dem Link gefolgt und ein paar Euro gespendet. Nicht, dass nach 14 Tagen und rund 7.500 Kilometern der arme Thomas am 28. Juni seinen akribisch vorbereitete Jetta doch noch verkaufen muss.

Großvaters ganzer Stolz mit 90PS: VW Jetta GL von 1987

Am heutigen Samstag startet der Trip offiziell in Hamburg und der Tross zieht ostwärts. Die Route ist dabei frei wählbar und so haben sich Tanja und Thomas entschieden, Deutschland und Polen erstmal rechts liegen zu lassen und mit der Fähre von Kiel nach Klaipeda (Litauen) zu schippern. Dort beginnt dann das Abenteuer ohne Navigationsgerät wirklich und kann täglich auf facebook.com/wuerziracing verfolgt werden. Gute Fahrt!

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